01.09.2026Hagenweg 20: Grundstück soll an die Städtische Wohnungsbau gehen
Im Umgang mit der Immobilie Hagenweg 20 hat die Stadt Göttingen mit der Alleineigentümerschaft ein wesentliches Etappenziel erreicht. Sie plant jetzt vorbehaltlich eines entsprechenden Ratsbeschlusses, das Gebäude abzureißen und das Grundstück dann an die Städtische Wohnungsbau GmbH (SWB) zu verkaufen. Die SWB wiederum wird dort einen Neubau mit überwiegend sozialem Wohnungsbau errichten.
Göttingens Oberbürgermeisterin Petra Broistedt zeigt sich glücklich über den Verlauf des Projekts: „Der Hagenweg 20 hat Göttingen lange beschäftigt. Er ist ein abschreckendes Beispiel für ausschließlich am Profit orientierte Vermieter, die jahrelang Höchstmieten kassieren, aber nie reinvestieren. Jetzt haben wir die Weichen für einen echten Neuanfang gestellt.“ Die Stadt habe, so Broistedt, konsequent gehandelt, bis sie das Grundstück ganz in der Hand hatte. „Das war nicht einfach, aber es war richtig. An dieser Stelle entsteht bald neuer, bezahlbarer Wohnraum für Menschen, die ihn dringend brauchen. Genauso wichtig ist mir: Niemand wird allein gelassen. Für alle noch verbliebenen Bewohnerinnen und Bewohner finden wir gute Lösungen.” Broistedt äußert sich auch lobend in Richtung Rat und Verwaltung: „Mit seinem einstimmigen Votum und den klaren Willen, Veränderungen in den Lebensbedingungen der Menschen herbeizuführen, hat er den Weg zu diesem Zwischenziel geebnet. Die Verwaltung hat mit hohem Einsatz dafür gesorgt, dass das Projekt so zügig umgesetzt werden konnte.“
Der Gebäudekomplex war über Jahre wegen seiner baulichen und sozialen Situation immer wieder Thema in Politik, Verwaltung und Öffentlichkeit. Um dauerhaft Einfluss auf die Entwicklung des Standorts zu sichern, hatte der Rat 2023 den vollständigen Ankauf beschlossen. Die Stadt erwarb daraufhin nach und nach Appartements und Garagenstellplätze, teils auch im Rahmen von Zwangsversteigerungen. Insgesamt investierte sie dafür rund 1,9 Millionen Euro.
Die Verwaltung legt dem Rat nun eine Vorlage zur Entscheidung vor: Das Grundstück soll nach dem Abriss des bestehenden Gebäudes an die SWB übergehen. Die SWB soll dort einen Neubau mit überwiegend sozial gefördertem Wohnraum errichten. Weil der Name Hagenweg 20 durch die negative Berichterstattung der Vergangenheit belastet ist, will die Stadt außerdem prüfen, dem künftigen Neubau abhängig von der Neubebauung eine neue Adresse zu geben.
Ausschlaggebend für den Abriss statt einer Sanierung sind vor allem geänderte Wohnraumförderbedingungen des Landes Niedersachsen zum 1. Juli 2026: Für Sanierungen entfällt die bisherige zinsgünstige Finanzierung weitgehend, für Neubauten bleibt sie erhalten. Für eine kostendeckende Sanierung würde die SWB daher einen Investitionskostenzuschuss von rund 12 Millionen Euro benötigen. Ein Neubau ist dagegen ohne Zuschuss wirtschaftlich darstellbar. Der Abriss soll von der Stadt selbst durchgeführt werden; das lastenfreie Grundstück soll anschließend zum Bodenrichtwert in Höhe von rund 810.000 Euro an die SWB veräußert werden.
Die Stadt legt gegenüber dem Rat auch die finanziellen Eckdaten offen: Der Buchwert der Immobilie liegt bei rund 1,85 Millionen Euro (davon 1,50 Millionen Euro Grundstück, 0,35 Millionen Euro Gebäude). Beim geplanten Verkauf zum Preis von 810.000 Euro entsteht eine außerplanmäßige Abschreibung von rund 0,7 Millionen Euro auf das Grundstück; das Gebäude wird wegen der zu erwartenden Abrisskosten vollständig auf 0 Euro abgeschrieben. Für den Abriss sind rund 2,5 Millionen Euro eingeplant, die außerplanmäßig aus Mehrerträgen beim Gemeindeanteil an der Umsatzsteuer finanziert werden sollen. Dem stehen aufgelöste Rücklagen aus der Wohnungseigentümerumlage von insgesamt rund 1,1 Millionen Euro gegenüber, die in den städtischen Haushalt zurückfließen und die Abrisskosten zu einem gewissen Teil kompensieren.
Die Verwaltungsvorlage wird zunächst im Finanzausschuss am Montag, 7. September 2026, im Bauausschuss am Donnerstag, 10. September 2026, sowie abschließend im Rat am Freitag, 18. September 2026, in jeweils öffentlicher Sitzung beraten.
